Swimrun ist eine Kombination aus Freiwasserschwimmen und Traillaufen – es wird im ständigen Wechsel in Laufschuhen geschwommen und im Neoprenanzug gelaufen, ohne umziehen. Ganz besonders die Swimrun-Weltmeisterschaft ÖTILLÖ in Schweden gilt laut CNN als einer der härtesten Ausdauerwettkämpfe weltweit.

Die Idee zu diesem Wettkampfformat entstand 2002 in Schweden bei einer Wette von vier Freunden. Es ging darum die 75km lange Strecke von Utö nach Sandhamn zu bewältigen. Über 24 Stunden benötigten Andreas Malm und die Anderson Brüder für 10 km schwimmen im offenen Meer und 65 km Trailrunning, über 26 Inseln hinweg. Das Verlierer-Team zahlte für Hotel, Abendessen und Getränke. Die zwei Sportler Michael Lemmel und Mats Skott machten 2006 daraus das erste offizielle Rennen ÖTILLÖ (von Insel zu Insel) mit gerade mal 11 Teams. Nur zwei der 11 Teams erreichten das Ziel.

Die Swimrun Urban Challenge in Essen ist meine erste Teilnahme als Einzelstarter an einem Swimmrun Wettkampf. Aufgeregt stehe ich frühmorgens bei 8 Grad Außentemperatur am Ufer des Baldeneysees und trage meinen guten Surfneo, Schwimmbrille und Laufschuhen. Für mich ein ganz neuer Look… Pull-Buoy, eine Auftriebshilfe, die man beim Schwimmen zwischen die Beine klemmt und Handpaddels sind als Schwimmhilfen erlaubt. Vor mir liegen insgesamt 13 Kilometer Laufen und 2.2 Kilometer Schwimmen mit 10 Wechseln.

Als um 8:45 Uhr der Startschuss fällt steigt jede Menge Adrenalin in mir auf. Nach einem 200 Meter Sprint folgt der Einstieg in die Ruhr. Unsanft rutsche ich auf den glitschigen Steinen aus. Schlagartig strömen 14 Grad kaltes Wasser in meinen Neo. Auf dem ersten Schwimmabschnitt bin ich damit beschäftigt meinen Rhythmus zu finden, Tritten und Remplern des Massenstarts auszuweichen, nach Luft zu schnappen und mit meinen Paddels zurechtzukommen. Wer hat eigentlich gesagt das extra große Paddel viel helfen? Was mache ich hier nur? 500 Meter gegen die Strömung fühlen sich wie 1.000 Meter an, während ich ständig mit meiner Auftriebshilfe dem Pull-Buoy zu kämpfen habe, der mir trotz Sicherung ständig verrutscht. Dabei habe ich am Vorabend stundenlang die optimale Befestigung und Handhabung ausprobiert. Doch jetzt läuft alles völlig anders. Was freue ich mich aufs Laufen.

Die ersten Laufmeter an Land fühlen sich ungewohnt an. Das Herz schlägt wie wild, der Puls hämmert und das Wasser quillt aus meinen Schuhen. Den Pull Buoy klemme ich mir unter das Startnummernband, doch wohin mit dem Tischtennisschläger großen Paddles? Es geht ordentlich bergauf und ich fühle mich richtig wohl bei jedem Meter den es in die Höhe geht. Als Trailrunner bin ich voll in meinem Element und jage im Neo die schmalen Trails der Ruhrklippen auf und ab. Auf den technischen Passagen kann ich einige Teilnehmer überholen, bevor es zum nächsten Schwimmabschnitt geht.

Vorsichtig steige ich ins Wasser, Schwimmbrille auf, Pull Buoy zwischen die Beine, Paddels an die Hände und los geht es zur Querung des Baldeneysees. Mein Körper ist durchs Laufen im Neo so erhitzt, dass ich vom eiskalten Wasser fast einen Kälteschock bekomme. So stelle ich mir eine Kneippkur vor. Endlich komme ich in meinen Rhythmus.

Die nächsten Wechsel, sowie  Lauf- und Schwimmabschnitte verbringe ich damit meine Ausrüstung zu optimieren, das Pull Buoy Gummi zu kürzen, mit und ohne Paddels zu schwimmen und eine Belastung zu finden mit der ich mich sowohl im Wasser, als auch an Land wohl fühle. Endlich habe ich das Gefühl voll drin zu sein und weder Laufen im Neo, noch nasse Schuhe, noch Paddels stören mich. Nicht schlecht staunen im Stadtwald ein paar Sonntagsspaziergänger als wir ihnen klitschnass mit hautengem Neo und Schwimmbrille entgegenlaufen. Auf die Frage, wo ich hier Tauchen will und den Pfiffen eines Frauenduos fehlt mir einfach die Puste für eine Antwort.

Auf dem letzten Schwimmstück sind meine Arme nun platt und schwer wie Blei und ich bekomme sie kurz vor dem Ziel kaum mehr aus dem Wasser. Was für ein Kampf. Ich gebe noch mal alles und schwimme um die letzte Boje, bevor ich taumelnd aus dem Wasser klettere. Erleichtert und völlig begeistert laufe ich durchs Ziel und überlege, bei welchem Swimrun ich als nächstes an den Start gehe?

Was für ein geiler und heftiger Wettkampf. Danke an die tollen Veranstalter, die engagierten Helfer, die netten Teilnehmer und für den Pioniergeist, der überall zu spüren war. Das schreit nach mehr!

Der ständige Wechsel zwischen Laufen und Schwimmen am Anschlag hat mich ordentlich gefordert. Sowohl beim Laufen, als auch beim Schwimmen fehlt einem ständig der nötige Sauerstoff und die Wechsel und der Umgang mit den Schwimmhilfen will gelernt sein.

Wer ebenfalls einen Swimrun ausprobieren oder live dabei sein möchte, hat am 1 Oktober 2017 bei der ersten Swimrun Urban Challenge Düsseldorf am Unterbacher See die Gelegenheit dazu.

Vielen Dank für die stimmungsvollen Photos von Christian Siedler

Der Produkttest zum perfekten Trail- und Swimrunschuh.

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